Ergonomie: Definition und Herkunft des Wortes
Die älteste Definition von Ergonomie die derzeit bekannt ist, stammt von W. Jastrzebowski und wurde in dem Werk "Grundriss der Ergonomie oder Lehre von der Arbeit, gestützt auf die aus der Naturgeschichte geschöpfte Wahrheit" (1857, aus dem polnischen) veröffentlicht:
Ergonomie ist ein wissenschaftlicher Ansatz, damit wir aus diesem Leben die besten Früchte bei der geringsten Anstrengung mit der höchsten Befriedigung für das eigene und für das allgemeine Wohl ziehen.
Das Wort Ergonomie ist die deutsche Form des englischen Wortes Ergonomics. Es ist eine Kombination der beiden griechischen Wortstämme ergon (= Arbeit) und nomos (= Gesetz, Regel). Geschichte und Entwicklung der Ergonomie
Die genannte Veröffentlichung von Jastrzebowski wurde zum Ende der 1960er Jahre wieder entdeckt. Ein von Jastrezebowski unabhängiger, zweiter Vorschlag einer Kombination der beiden griechischen Wortstämme zur Kennzeichnung einer neuen, naturwissenschaftlichen Disziplin stammt von Murrell. Er machte diesen Vorschlag in Zusammenhang mit der Entstehung einer 1949 in England gegründeten, interdisziplinären Forschergruppe, die ihren Namen 1950 von "Human Research Society" in "Ergonomics Research Society" änderte.
Die Satzung der "Ergonomics Research Society" fasste die Ziele der Ergonomie später zusammen als:
"... erforscht die Beziehungen zwischen dem Menschen und seiner Arbeit, Arbeitsmittel und Umgebung, insbesondere durch Anwendung von anatomischem, physiologischem und psychologischem Wissen auf die daraus entstehenden Probleme".
Zur internationalen Verbreitung des Begriffs Ergonomie trug vor allem die seit 1957 erscheinende Fachzeitschrift "ERGONOMICS" bei.
Im Jahre 1959 erfolgte dann die Gründung einer "Internationalen Ergonomischen Gesellschaft" (IEA), in der über 20 nationale Gesellschaften zusammengefasst sind. Als nationale Gesellschaft der Schweiz ist die "SwissErgo - Schweizerischen Gesellschaft für Ergonomie" vertreten.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Begriffs "Ergonomie" in der Gegenwart ist zu erwähnen, dass sich in Japan neben dem Begriff "Ergonomie" noch eine "Human Ergology" entwickelt hat. Im Gegensatz zur Ergonomie wird in der Ergologie vor allem die physiologische Komponente der menschlichen Arbeit betont, die noch durch die Berücksichtigung anthropologischer Aspekte ergänzt wird.
Die Bezeichnung "Ergologie" wird auf eine Idee des deutschen Physiologen Haeckel (1834-1919) zurückgeführt, der damit erste Vorstellungen zu einer anthropologisch begründeten Physiologie des arbeitenden Menschen kennzeichnen wollte.
Ergonomie heute
Das gegenwärtige Verständnis von Ergonomie berücksichtigt sowohl die Interessen an einer Verbesserung der "Qualität des Arbeitslebens" als auch das Interesse an der "Qualität der Arbeitsergebnisse".
Im betrieblichen Alltags gibt es zwei gegensätzliche Interessen: Dem betrieblichen Interesse nach einer möglichst hohen Arbeits-Produktivität bei möglichst niedrigen Kosten stehen nämlich die allgemeinen Grundsätze der betrieblichen Gesundheitsvorsorge entsprechend dem Arbeitsschutzgesetz entgegen.
Als Grundsatz lässt sich somit definieren: "Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird".
In der "ergonomischen Aufwand-Nutzen-Betrachtung" kann die Beanspruchung des Menschen als Aufwand mit dem erreichbaren Arbeitsergebnis als Nutzen verglichen werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich zwischen dem Aufwand und dem Nutzen in der Regel keine einfache lineare Beziehung nachweisen lässt.
Man kann nämlich nicht immer bei maximaler Beanspruchung auch das maximale Arbeitsergebnis erwarten. Andererseits ist einzusehen, dass bei geringster Beanspruchung, nämlich Untätigkeit, das Arbeitsergebnis Null ist.

Ergonomie heute (Teil 2)
Für die Praxis der Arbeitsgestaltung ergeben sich daher zwei unterschiedliche, ergonomisch begründbare Fragestellungen: - Wie kann ein angestrebtes Arbeitsergebnis mit geringer Beanspruchung und vernachlässigbarer Gefährdung des Menschen erreicht werden?
- Wie kann ein maximales Arbeitsergebnis mit vertretbarer Beanspruchung erreicht werden?
Die betriebliche Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Probleme der Arbeitsgestaltung auf wenige, immer wieder vorkommende Schwerpunkte konzentrieren: - Arbeitsplatz (räumliche Gestaltung, Sehbedingungen, Aktionskräfte)
- Arbeitsmittel (Anzeigen & Signale, Bildschirme, Arbeitsstühle, Griffe & Stellteile, Arbeitshilfen & Werkzeuge)
- Arbeitsumgebung (Schall, Schwingungen, Licht und Farbe, Klima)
- Arbeitszeit (Schichtsystem, Flexibilisierung, Pausenregelung)
- Arbeitsstruktur (Arbeitsinhalt, Arbeitsverteilung)
Prospektive Ergonomie
Die Rückwirkungen zwischen den fertigungstechnisch oder durch den Betriebsverlauf bedingten Entscheidungen und den Arbeitsbedingungen für den Menschen führen dazu, dass Änderungen erforderlich werden, wenn erst nachträglich festgestellt wird, dass gegen ergonomische Erkenntnisse verstossen wurde (korrektive Ergonomie).
Die korrektive Ergonomie wird zunehmend durch die prospektive Ergonomie ersetzt.
Dies bedeutet zum einen die Möglichkeit einer Vorhersage zukünftiger Auswirkungen von Arbeitsbedingungen, zum anderen gilt für prospektive Ergonomie die Verbesserung der Arbeitsproduktivität durch Nutzung ergonomischer Kenntnisse.
Die prospektive Ergonomie setzt voraus, dass ergonomische Gestaltungsziele immer zusammen mit der Definition fertigungstechnischer oder organisatorischer Planungsziele festgelegt werden. Vorrangig sollten dabei immer die Ziele Gesundheit und Unversehrtheit des Menschen sein.
Ergonomie im heutigen Sprachgebrauch
Das Wort Ergonomie findet heute immer mehr Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch. Grund dafür ist die immer stärker werdende Gefährdung des Menschen durch die Technik, nicht nur während der Arbeitszeit. Schon Kinder sitzen heute oft stundenlang vor dem Computer und Erwachsene sehr lange im Auto.
Fast alle Tätigkeiten des täglichen Lebens können heute unter ergonomischen Kriterien untersucht werden, bügeln und kochen genauso wie die Arbeit (oder das Vergnügen) am Bildschirm oder die nächtliche Ruhe im Bett.
Ergonomie heute könnte somit auch so beschrieben werden:
Ergonomie ist ein allgemeingültiger Ansatz, um aus diesem Leben die besten Früchte bei der geringsten Anstrengung mit der höchsten Befriedigung für das eigene und für das allgemeine Wohl zu ziehen.
Womit wir wieder bei der Weisheit angekommen sind, die bereits vor 150 Jahren Gültigkeit hatte. Quellenhinweis:
Die Informationen in diesem Kapitel wurden unter Mithilfe folgender Web-Sites erstellt: ErgonAssist und ErgoNetz (nicht mehr online).

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